Sandy Green

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Rezensionen

 

Rezension “La Fuente”, Solinger Tageblatt, 05.05.12

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Rezension “So viele wie möglich”, Solinger Tageblatt, 29.10.11

Schon als achtjähriges Kind hat Maria Mitleid mit jedem leidenden Wesen. Sie vergisst sogar die familiäre Andacht, um ein kleines Kätzchen zu retten, das ein Bauer im Fluss ertränken wollte. Diese Eigenschaft verliert Maria nie. Als erwachsene Frau kann sie nicht über die Not und das Elend der Menschen im Krakauer Ghetto hinwegsehen. Als tiefgläubige Rot-Kreuz-Helferin versorgt sie zuerst die Menschen medizinisch. Dann bringt sie sich auch persönlich in Lebensgefahr und schmuggelt Kinder aus der irdischen Hölle heraus in Sicherheit. Die Autorin Sandy Green hat in ihrer Erzählung eine wahre Begebenheit aufgegriffen. Mit ihrer Geschichte zeigt sie, dass durch Gottvertrauen, durch Mut und Zivilcourage einige Kinder gerettet werden konnten - so viele wie möglich. “So viele wie möglich” ist auch der Titel des kleinen Bändchens. Sehr genau beschreibt Sandy Green die Lebens-Situation der jüdischen Menschen im Ghetto, deren Verzweiflung, Not und Elend. Und dann die Trauer, die Hilflosigkeit von Maria, bis diese den Entschluss fasst, Kinder aus dem Ghetto herauszuschmuggeln. Ein Sieg der Menschlichkeit. Mit atemloser Spannung verfolgt der Leser, wie die junge Frau den Kindern beibringt, sich unter ihrem Rock zu verstecken und auf ihren Füßen zu gehen. Er atmet auf, wenn Maria es gerade eben schafft, doch nicht entdeckt zu werden.

Das Buch ist im custos verlag erschienen und kostet 8,90 Euro. Mit einem Euro pro verkauftem Exemplar unterstützt die Autorin den Aufbau des Bergischen Kinderhospizes Wuppertal.          kc

 

Rezension “So viele wie möglich”, Mannheimer Morgen, 10.08.2011

Literatur regional: Die Mannheimerin Sandy Green beschreibt in "So viele wie möglich" das Schicksal einer Rotkreuzschwester im Krakauer Ghetto

Moral, Menschenliebe und eine mutige Maria

Von unserer Mitarbeiterin Erika Deiss

"Wer auch nur ein Menschenleben rettet, rettet die ganze Welt", heißt es im Talmud. So denkt, weniger pathetisch, auch Maria, die Rotkreuzschwester aus Krakau, deren Ziel es ist, "so viele wie möglich" aus dem Ghetto der besetzten Stadt herauszuschmuggeln. Dass sie damit ihren eignen Kopf riskiert, schreckt Maria nicht. Es ist der Preis, der in der Zeit der NS-Diktatur auf Nächstenliebe und Zivilcourage steht. Die Geschichte, die auf einer wahren Begebenheit beruht, hat Sandy Green, geboren 1969 in Mannheim, nicht mehr losgelassen. Sie setzt der namenlos Gewordenen, die sie Maria nennt, ein so bewegendes wie wunderbar erzähltes Denkmal.

Schon als Mädchen zeigt Maria eine Liebe zu bedrohtem Leben. Tatenlos mit anzusehen, wie ein Kätzchen in den Fluss geworfen wird, lässt sie verzweifeln. Zum Verdruss der Mutter bringt sie das Geschöpfchen heim und schwört sich "So viele wie möglich" solch fatalem Schicksal zu entreißen. Wie viel mehr erst gilt es, solche Willenskraft zu zeigen, wenn Maria bald schon Menschenkinder vor dem sicheren Tod zu bewahren sucht.

Sie wird Krankenschwester und fährt eines Tages mit der blickdicht abgeklebten Straßenbahn durchs Ghetto, als sie durch ein Loch in der Verdunkelung zur Zeugin eines Mords an einem Jungen wird. Sie kann die Bilder nicht verdrängen und beschließt, sich als Rotkreuzschwester nützlich zu machen. Mit bescheidensten Mitteln rückt sie der Not zu Leibe, die die Menschen dort erleiden. Schließlich bringt ein Zufall sie auf die Idee, sie könne die bedrohten Kinder unter ihren weiten Röcken aus dem Ghetto schmuggeln. Das gelingt. Bis ein kranker Junge vorm Tor des Ghettos hustet - damit ist der Weg ins Leben jäh beendet. Hat es sich gelohnt? Was Sandy Greens kraftvolle Erzählung, ihr bisher gelungenstes, weil sprachlich so subtiles wie brillantes Prosastück, so überzeugend macht, ist der genaue Blick, der uns Marias kurzes Leben prägnant als Muster unbeugsamer Menschenliebe so lebendig wie konzis vor Augen stellt.

 

Rezension “So viele wie möglich”, Solinger Wochenpost, 19.07.2011

Ein wichtiges Buch

Rezension zu Sandy Greens “So viele wie möglich”

Solingen/Buchtipp (IT). Mit ihrem neuesten Roman “So viele wie möglich” taucht die Solinger Autorin erneut ein in die schreckliche Zeit des Nationalsozialismus. Sie erzählt die Geschichte einer Rotkreuzschwester, die im Krakauer Ghetto arbeitet und dort mehrere jüdische Kinder herausschmuggelt.
Der Kern der Geschichte beruht auf einer wahren Begebenheit. Da aber über die Identität der Krankenschwester ansonsten nichts bekannt ist, projiziert die Autorin das marianische Ideal auf ihre Heldin. “Maria”, wie sie bezeichnenderweise heißt, wächst in einem streng christlichen polnischen Elternhaus auf und entwickelt schon früh eine ausgeprägte Neigung, Elend zu lindern. Die beiden Komponenten Glaube und Hilfsbereitschaft bestimmen auch ihr Erwachsenenleben, das sie als Krankenschwester in Krakau zur Zeit der deutschen Besatzung erlebt.
Als sie eines Tages mit dem furchtbaren Schicksal der Juden im Krakauer Ghetto konfrontiert wird, beschließt sie zunächst, dort ihren Dienst als Krankenschwester zu versehen. Als ihr klar wird, dass vor allem Kinder die Hauptleidtragenden von Hungersnot, Krankheiten und der stets präsenten und unerklärbar brutalen Behandlung durch die SS-Wachen sind, trifft sie den lebensgefährlichen Entschluss, die Kinder aus dem Ghetto zu schleusen, indem sie sie unter ihrer weiten Schwesterntracht versteckt.
Die fesselnd erzählte Geschichte orientiert sich sehr an der Gefühlswelt ihrer Protagonistin durch deren Augen wird das ohnmächtige und sinnlose Leid verfolgen, hervorgerufen durch ein krankes Weltbild. Es ist jedoch letztlich dieses Weltbild, das dem zu jener Zeit auch unter Nichtjuden tristen Leben durch aktive Zivilcourage einen Sinn und die wichtigen Glücksmomente verschafft.
Dass Sandy Green das seit dem Mittelalter geläufige Bild der heiligen Maria, die Schutzbedürftige unter ihren Mantel holt, bemüht, passt natürlich perfekt zum religiös fundierten Überbau der Geschichte, ist aber am Ende - ebenso wie der gesamte logistische Aspekt des Schleusens und dessen Nachsorge, dessen Schilderung aufgrund des geringen Seitenumfangs ausbleibt - nur Nebensache. Im Grunde geht es um die Notwendigkeit sozialen Verhaltens in jeder Gesellschaft. Das wird wieder einmal hervorragend umgesetzt.
Ein beklemmendes, aber gleichzeitig lesenswertes und in der heutigen Zeit sehr wichtiges Buch.

Rezension “Zaunkönigin”, Mannheimer Morgen, 1. Juni 2010

Literatur regional: Sandy Green über eine "Zaunkönigin"

Ein verpfuschtes Leben mutig in die Hand genommen

Von unserer Mitarbeiterin Erika Deiss

Über die Nazizeit ist viel geschrieben worden. Aber wurde wirklich alles, was die Menschen an barbarischen Exzessen zu erleiden hatten, schon erzählt? "Zaunkönigin", das überaus lebendige Romandebüt von Sandy Green, rollt eine dieser bisher völlig übergangenen Geschichten mit viel Empathie und Kenntnis erstmals auf, erzählt mit großer Sensibilität ein überfälliges Kapitel einer längst noch nicht bewältigten monströsen Schuldverstrickung, deren unfassbare Niedertracht nicht nur die Täter, auch die Opfer gern verdrängten.

Was Greens junger Heldin Elfi widerfährt, lässt sich in seinem Grauen kaum beschreiben. Von einem abgewiesenen Verehrer denunziert, kommt sie fürs Erste in ein Arbeitslager, das sie "zur besonderen Verwendung" einem für die Zwangsarbeiter unterhaltenen Bordell als so perfide wie perverse Prämie überstellt. Ständig vom Tod umgeben, kämpft sie dort verzweifelt um ein Überleben, das nach der Befreiung fast noch deprimierender, fataler als der Tod ist. Wie sich zeigt, kann Elfi das Erlebte keinem Menschen auch nur ansatzweise anvertrauen, so dass sie nur desto tiefer in ihr hoffnungsloses Elend der für immer Ausgestoßenen, Entehrten und Geschändeten versinkt. Wie soll sie ihrem Mann, der Freundin begreiflich machen, welch verheerender Tortur an Leib und Seele sie als Sextrophäe der vertierten Kapos in der Hölle des Barackenpuffs tagtäglich unterworfen war?

Wie einfühlsam sich Sandy Green, geboren 1969 in Mannheim, dieser skandalösen Praxis annimmt, wie gekonnt sie die Fiktion im Ton authentischer Erlebniswirklichkeit verdichtet, zeigt, wie gründlich sie die Quellen studiert hat. Starke Kontraste zwischen lyrischer Naturbeschreibung und der rohen Unnatur der Wärter, der brutalen Willkür, die den Lageralltag prägt, verleihen dem beklemmend realistisch eingefangenen Schicksal einer grässlich malträtierten jungen Frau, die dennoch ihr verpfuschtes Leben mutig in die Hand nimmt, so emphatisch wie präzise ein poetisches Gesicht, geben dem Trauma eine eindringliche Stimme.

 

Rezension “Zaunkönigin”, Solinger Tageblatt, 15. Mai 2010

Ein Tabu-Thema einfühlsam aufgearbeitet

Roman-Debüt: Die Solinger Autorin Sandy Green stellt ihren ersten Roman vor: “Zaunkönigin”.

Ein Jahr lang hat Sandy Green nicht gut geschlafen. “Es verfolgt einen”, sagt die 40-Jährige, “und emotional war es eine echte Gratwanderung. Man will zwar so authentisch wie möglich schreiben, aber man darf sich gleichzeitig auch nicht komplett davon runterziehen lassen.” “Es” ist das Thema ihres ersten Romans. Ein Tabu-Thema, das Green einfühlsam aufarbeitet. In “Zaunkönigin”, so der Titel des bemerkenswerten Debüts, geht es um jene Frauen, die im Dritten Reich in Arbeitslager-Bordellen zur Prostitution gezwungen wurden.
Ein Tabu-Thema aus zwei Gründen: Die einen Opfer - die in den Lagern eingesperrten Söhne, Väter, Brüder und Ehemännen - wurden zu Tätern und die anderen Opfer - Mütter, Töchter, Schwestern und Ehefrauen - zu sexueller Ware.
Dass die Angehörigen beider Gruppen, die “diese Perversion in sich” (Green) überlebten, hinterher nicht darüber sprachen, versteht sich von selbst. Und auch diejenigen, die sich dieses perfide System der Belohnung für fleißige Lagerarbeiter einfallen ließen, taten das Ihrige dazu, es nachträglich zu tilgen. “Das erste, was die Nazis bei Räumung der Lager sprengten, waren die Bordellbaracken”, sagt Green, “erhalten blieben ganze zwei.”
Auf eine davon, im Lager Mauthausen (in Österreich, bei Linz), wurde die gebürtige Mannheimerin, die seit drei Jahren in Solingen lebt, über einen Zeitungsartikel aufmerksam. Wie viele andere hatte sie zuvor nichts von den Lager-Bordellen gewusst: “Ich war schockiert, aber es hat mich dann nicht mehr losgelassen.”
Sie fuhr nach Mauthausen, begann zu recherchieren. Ein Jahr brauchte es, um “Zaunkönigin” zu schreiben. Aus der Perspektive ihrer Heldin, einer jungen, glücklich verheirateten Frau namens Elfriede, schildert sie einen Alltag, der bereits vor dem Einsatz zum “Sonderkommando” eine Hölle aus Hunger, Kälte, Krankheit, Gewalt und Sadismus ist.
Wer das liest, versteht, warum Sandy Green ein Jahr nicht gut schlafen konnte. Und leidet mit der Heldin, der, befreit durch die Amerikaner, eine Rückkehr in ein normales Leben verwehrt bleibt.

Von Susann Schramm
 

Rezension “Zaunkönigin”, Solinger Wochenpost, 4. Mai 2010

Tabu gebrochen

Buchtipp: Sandy Greens “Zaunkönigin”

Solingen (IT). Sandy Green schreckte in ihren Geschichten und Gedichten bislang nicht vor kritischen bis schmerzhaften Themen zurück. Diesem Merkmal bleibt sie auch in ihrem ersten Roman “Zaunkönigin” treu, der das Leben einer jungen Konzentrationslagerinsassin beschreibt, die nach dem Erleben der Hölle im Baracken-Alltag plötzlich für besondere Dienste ausgewählt wird, die zunächst eine Besserung ihrer Situation versprechen. Kleidung, Essen, Unterkunft - alles wird schlagartig besser. Bis zum Tag, an dem sie erfährt, warum man sie - den “Untermenschen” - nach den Strapazen des “gewöhnlichen” Lagerlebens langsam wieder hochgepeppelt hat: Sie soll ab sofort als Prostituierte im Lagerbordell arbeiten - als “Zusatzleistung” für privilegierte Häftlinge.
Was sie dort erlebt, zerstört ihre Seele und ihr Leben so nachhaltig, dass es wie ein verlängertes Exekutionskommando wirkt. Denn auch nach ihrer Befreiung kann sie der Hölle, in die sie unverschuldet verschleppt wurde, nicht entkommen. Ihre Umgebung reagiert verständnislos bis abweisend auf die junge Frau und ihrem Ehemann kann sie sich nicht mitteilen - ein Teufelskreis aus dem es kein Entkommen zu geben scheint.
Sandy Green hat das Kunststück vollbracht, ein Buch zu produzieren, das man nicht mehr aus der Hand legen kann. Nicht aus Voyeurismus, sondern aufgrund der unglaublich dichten Charakterzeichnung der Protagonistin Elfriede, deren verzweifeltes Ringen mit einem nicht greifbaren Feind vielleicht auch deshalb so intensiv wirkt, weil den mehr als 200 Frauen, die in den Lagerbordellen der KZs missbraucht wurden, bis in die 90er Jahre der Opferstatus verwehrt wurde. Diese Ungerechtigkeit macht schlicht atem- und sprachlos.
“Die Tabuisierung dieser furchtbaren Schicksale macht wütend. ich musste über das Thema schreiben, auch weil es immer noch nicht wirklich bekannt ist, es nur wenige publizierte Augenzeugenberichte und so gut wie gar keine Plattform für die Frauen gibt.”
Das ist nun anders, denn Greens Buch gibt all denen eine Stimme, die auch lange nach Kriegsende noch mit ihren Dämonen kämpfen mussten und teilweise noch müssen. “Zaunkönigin” ist ein packend geschriebenes, aufrüttelndes und erschütterndes Romandebüt geworden, das nicht nur in alle Oberstufen-Kurse zum Thema Nationalsozialismus gehört, sondern im Grunde in jeden Haushalt.

 

Rezension “Zwischen ungeschriebenen Zeilen”
Solinger Wochenpost 15. Dezember 2009

Buchtipp: Lyrik von Sandy Green

Solingen/Tipp (It). Besinnliches ohne Kitsch bietet der neue Gedichtband “Zwischen ungeschriebenen Zeilen” der Wahl-Solingerin Sandy Green. Wie schon Greens Kurzgeschichten bieten auch ihre lyrischen Erzeugnisse nicht nur reichlich Interpretationsstoff, sondern vor allem kritische Ansätze zu diversen, bunt gemischten Themen.
Nichts also mit Feld- Wald- und Wiesenlyrik. Wer aber seinen Denkapparat durch Inbetriebnahme zur kalten Jahreszeit wärmen und sich dabei der Schönheit zeitloser Poesie hingeben will, für den hält “Zwischen ungeschriebenen Zeilen” nicht nur wunderbare Sprache, sondern vor allem Hiebe gegen Plagen wie Krieg (“Der letzte Tag”), Einsamkeit (“Heimatlos”) oder ganz aktuell gegen den Opportunismus der Karrieresüchtigen (“An die Nachgeborenen”) bereit. In Letzterem wird allerdings nicht nur die Kälte der überbezahlten Manager und der “Götzendienst” am Geld beklagt und in ein apokalyptisches Finale geführt, sondern auch Hoffnung laut: Die kleine Flamme der menschlichen Wärme wird von der Nachwelt bewahrt und genährt werden, dessen ist sich der Sprecher sicher.
Das sind die Momente, die dem Leser bewusst machen, dass er es nicht mit einer Sammlung von Anklagen gegen die Gesellschaft zu tun hat, sondern mit einer optimistischen Variante reflektierender Dichtkunst. Hinzu kommen die vielen Oden an die Liebe oder die Schön- und Sinnlichkeit einzelner Situationen.
“Ein Buch für alle Situationen” könnte man also sagen, wenn es sich nicht so sehr nach einem abgegriffenen Werbeslogan eines Billig-Anbieters anhören würde. Kauf- und Schenkempfehlung

 

Rezension “GreenZeug” Solinger Wochenpost 14. Juli 2009

Buchtipp Sandy Green - “GreenZeug”

Solingen (It). Als wir Sandy Green fragen, in welchem Regal man im Buchladen nach ihrem neusten Werk “GreenZeug” suchen muss, sagt sie leicht verlegen “gute Frage”. Und in der Tat ist die neuste Text-Sammlung der Wahl-Solingerin mit dem süddeutschen Background schwerer Tobak - zumindest für Schubladendenker. Denn auf knapp 135 Seiten bemüht die Autorin zwar Genres wie Märchen, Fabel und Kurzgeschichte querbeet, richtet damit aber nur vordergründig Chaos an.
Denn inhaltlich und narrativ sind die sehr tiefgründigen und emotional packenden Geschichten über Vorsehung (“Die Mitternachtsbahn”), erkaltende Liebe (“Dein Blick”) oder die Grausamkeit des Krieges (“Südwind überm Land”, “Der Sieg”) über jeden Zweifel erhaben. “Ich wollte mit dem Band sowohl Dinge aus der Realität zeigen, so wie ich sie wahrnehme, als auch klarmachen, wie ich als Idealistin mir die Welt vorstelle”, erklärt die Autorin.
Und das ist ihr gelungen. Beispielsweise zu beobachten an einer Geschichte wie “Martha und Martha”, die das Überwinden von fest verankerten und mit einer dicken Schicht Angst zementierten Vorurteilen durch ganz einfache menschliche Verhaltensweisen thematisiert; aber auch an der Variation der alten Fabel vom Fuchs und dem Raben, die in brutaler Kürze aufzeigt, dass wirklich lehrreiche Figuren heutzutage nicht eindimensional konzipiert werden.
“GreenZeug” ist phantastische Prosa, kurzweilig, tiefsinnig, spannend und zeitgemäß. Und die Tatsache, dass bei allen Denkanstößen dankenswerterweise durchgängig auf den erhobenen Zeigefinger verzichtet wird, unterstreicht die Kaufempfehlung zusätzlich.

Marcus Italiani

 

Rezension “GreenZeug” Solinger Morgenpost 10. Juli 2009

Sandy Green: Texte zum nachdenken und träumen

Sie möchte gerne die Welt in positiver Richtung verändern, bekennt Sandy Green bei der Vorstellung ihres Buches “GreenZeug”. Phantasievolle, pointenreiche Kurzgeschichten wechseln sich mit Märchen und Fabeln für Erwachsene ab. Der Schwerpunkt der Autorin ist deutlich, denn die Würde des Menschen steht bei ihr an erster Stelle.
“Mein Buch lässt sich eigentlich in zwei Kategorien einteilen”, meint die 40-Jährige. Da kann der Leser zum einen die Geschichten genießen, die eine ideale Wunschwelt beschwören, in der eitel Frieden und Einigkeit herrscht. Dann gibt es in dem Buch aber auch durchaus überraschend tiefgehende Texte, in denen Sandy Green schonungslos den Finger in die Wunden der menschlichen Gesellschaft legt. Es geht um Gewalt in der Familie, um Kindersoldaten und in der Kurzgeschichte “Das Versprechen” wird auch das Thema Zwangsprostitution nicht ausgespart.
Ihr erstes Buch mit kurzen Texten, “La Casa”, erschien 2004 und ist inzwischen vergriffen. Fünf Jahre lang sammelte Sandy Green jetzt neue Geschichten, ihr Buch ist eine bunte Mischung zwischen lyrischen und nachdenklichen Erzählungen, dabei kommt in manchen Schilderungen auch der Humor nicht zu kurz, und die Märchen gehen meistens gut aus. Beim Märchen vom König und seinen drei Söhnen bekommt weder der Kriegsheld noch der reiche Kaufmann das Königreich als Erbe, sondern der jüngste Sohn - der die Menschen liebende Idealist. “Ich weiß, das ist nicht sehr realistisch”, sagt Sandy Green, “aber ich möchte mit solchen Texten die Menschen zum Nachdenken bringen, ihre Seele berühren.”
Sandy Green, geboren in Mannheim, lebt seit einiger Zeit in Solingen und will künftig sehr intensiv an ihrem ersten Roman arbeiten. Darin geht es um die Schilderung eines Frauenschicksals in der Zwangsprostitution.
Sandy Green wird ihr Buch “GreenZeug” am Sonntag, 12. Juli um 15 Uhr mit einer Lesung im Atelier Gleis 3 in den Güterhallen vorstellen. Das Buch enthält 43 Texte auf 134 Seiten und ist zum Preis von 13,90 Euro in jeder Buchhandlung erhältlich. Erschienen im Verlag Shaker Media.

Wolfang Günther

 

Rezension Radiosender Deutsche Welle
„Meine Nachbarn“

Heutzutage leben wir Europäer in einer zunehmend „gesprenkelten“ Welt. Starke Migrationen verändern andauernd die demographische Struktur des Kontinentes. Nachbarn, welche einer anderen Rasse, Nationalität oder Religion angehören, befinden sich nicht mehr jenseits der Grenzen, sondern immer häufiger im benachbarten Wohnviertel, derselben Straße, im gegenüberliegenden Gebäude oder sogar im selben Flur eines Wohnblocks. Um gute nachbarschaftliche Beziehungen zu schaffen, ist es nicht selten notwendig, Vorurteile, Gewohnheiten, Traditionen zu überwinden. Ein empfindliches Thema, welches nicht zuletzt auch in der Literatur aufgegriffen wurde. Die Literatur ist sogar verstärkt in der Lage, Aspekte dieses Themas tiefgründig und differenziert darzustellen.

Im letzten Jahr hat das „Institut für Migrationsforschung“ in Bonn den Wettbewerb „Meine Nachbarn“ veranstaltet. Es wurden über 600 Manuskripte eingereicht – Lyrik, Prosa, Kinderliteratur, welche von der Nachbarschaft zwischen Deutschen und Emigranten aus verschiedenen Ländern der Welt handeln. 22 beim Wettbewerb ausgezeichnete Erzählungen sind in einem Band enthalten, welcher von dem Bonner Verlag „Free Pen“ herausgegeben wurde. In der Erzählung „Martha und Martha“ von Sandy Green gehören die Nachbarn einer rumänischen Emigrantenfamilie an.

 

Eine Nachbarschaft, welche sich nicht vom ersten Augenblick an in Freundschaft verwandelt. Anfangs fragte sich die Witwe Martha Birnbeißer mit einigen Zweifeln, wie sich ihre neuen rumänischen Nachbarn verhalten würden – Eltern mit drei Kindern. Würden sie nicht etwa laut und streitsüchtig sein? Würde sie sich mit ihnen verständigen können, da sie der deutschen Sprache sicher nicht mächtig sind? Nach kurzer Zeit zerstreuten sich ihre Zweifel. Vom Balkon ihres kleinen Apartments aus konnte Martha oft sehen, wie die Rumänen ihre abendlichen Stunden in ihrem schön begrünten Garten mit vielen Blumen verbrachten. Ab einem bestimmten Zeitpunkt tauchte die älteste Tochter, ungefähr 10 Jahre alt, viele Tage nicht mehr im Garten auf. Besorgt klopfte Martha zum ersten Mal an die Tür der Nachbarn. Es wurde ihr in Deutsch geantwortet und sie erfuhr, dass das Mädchen erkrankt sei. Sie bat um Erlaubnis, es zu besuchen und ihm eine Geschichte zu erzählen. Das Mädchen hieß auch Martha. Ihr Fieber hatte seelische Gründe – die Sehnsucht nach der in der Heimat verbliebenen Großmutter. Die deutsche Martha nahm den Platz der Oma ein und erzählte dem Kind täglich Märchen bis es gesund wurde. Seitdem war Martha Birnbeißer nicht mehr alleine. In den Garten wurde zu den Liegen der rumänischen Familie noch eine für die deutsche Freundin gestellt.

 

„Martha und Martha“ ist eine der ergreifendsten Erzählungen des Bandes „Meine Nachbarn“. Sie ist schlicht, aufrichtig und authentisch verfasst. Die Autorin Sandy Green, gebürtige Mannheimerin, wohnt in Solingen, einem Städtchen in dem viele Rumänen in freundschaftlichen Beziehungen zu ihren deutschen Nachbarn leben. Die Schriftstellerin ließ sich von der Wirklichkeit inspirieren. Sandy Green hat mehrere Bände mit Gedichten und Erzählungen herausgegeben, nahm das Märchen „Der König und die Ruhe“ auf CD auf und wurde mit mehreren Literaturpreise ausgezeichnet. Die Erzählung „Martha und Martha“ gewann den 1. Preis des Literaturwettbewerbes „Völkerwanderung in unserer Zeit“ des Internet-Forums „Autoren-Plattform“.

 

Andrei Baleanu
Deutsche Welle, 25.02.2008

Übersetzung: Prof. George Emil Crasnaru, Solingen

 

 

IGdA-aktuell, Ausgabe 2/2007

Der König und die Ruhe

Sandy Green
Köln: Tonstudio Martin Gerke 2006
CD, ca. 20 Min.

Die innere Uhr

Nur ein tapferer, weiser Mann mit einem guten Herzen wird die Ruhe finden, die der König in seinem Reich vermisst. Die Autorin (Jg. 1969) erzählt uns hier ein Märchen, sie liest selbst auf der CD mit musikalischer Umrahmung des Komponisten und Sound Designers Martin Gerke. Inhalt und Aufbau sind stereotyp der Gattung Volksmärchen gemäß: Der König verspricht demjenigen, der ihm die Ruhe bringt, seine Tochter zur Frau. Von den drei Bewerbern – Prinz, Edelmann, Bauernsohn – besteht natürlich letzterer die drei Prüfungen auf dem Weg zur Ruhe. Nachdem dieser Bauernsohn auf dem Rückweg noch eine Zusatzprüfung besteht – zu allen diesen Prüfungen musste man übrigens ein gutes Herz haben -, erfüllt sich sein Glück ebenso wie das des Königs und des ganzen Reiches.

Ruhe stellt sich bekanntermaßen ein, wenn der Mensch quasi nach seiner inneren Uhr seine Arbeits- und Erholungsphasen einteilen kann. In der hektischen, durch die Ökonomie bestimmten Moderne ist das freilich nicht möglich – Fritz Reheis schreibt dazu in seinem Buch Die Kreativität der Langsamkeit (1996): „Das Tempo und der Takt der Arbeitswelt vergewaltigen insgesamt die Eigenzeiten und –rhythmen der Individuen.“ Bezeichnenderweise muss der König am Ende eine kleine Uhr verschlucken, worauf sich allgemein die Ruhe, die er ausstrahlt, auf all anderen überträgt. Reheis spricht von der „Neurhythmisierung des Lebens“ durch „Innehalten“, das Erlernen von „Zeitelastizität“ sogar mit der Entwicklung der autonomen Persönlichkeit zusammen. Unter diesem Gesichtspunkt wird dieses archaisch anmutende Märchen sogar zur Parabel auf den Umgang mit der Zeit.

Liebe Mitmenschen: lest das Buch von Fritz Reheis – und dann zur Belohnung hört dies Märchen an – das gehört beides zusammen. Und findet den eigenen Rhythmus und die innere Ruhe als Gegenkraft zur äußeren Hektik.

Karl-Heinz Schreiber

 

Artikel des Bergsträßer Anzeiger vom 13.03.06

Lesenswert: Liebeslyrik auf Feuerflügeln

Mal romantisch, mal erotisch oder komisch / Neues Buch von Sandy Green vorgestellt

Lindenfels/Fürth. In Lindenfels und Fürth ist sie längst keine Unbekannte mehr: Sandy Green, 1969 in Mannheim geboren und im Odenwald aufgewachsen, hat sich schon früh einen Namen als Autorin gemacht. Nun hat sie einen Gedichtband, eine Anthologie, herausgegeben, unter dem Titel "Auf Feuerflügeln - Liebeslyrik romantisch, erotisch, komisch".

"Wir leben in einer Zeit, in der die Angst vor Terroranschlägen uns beherrscht, in einer Zeit fehlender Toleranz und mangelnden Respektes", sagt Green zum Hintergrund der Anthologie - eine kalte, traurige Zeit, in der Worte wie "Wärme" und "Vertrauen" eigenartig fremd klingen.

Und genau darum geht es in dem Gedichtband, den die Green nun herausgegeben hat. Sechs Dichterinnen und Dichter haben sich die Liebe zum Thema gemacht, haben sich mit ihrer Romantik, Sinnlichkeit und auch mit ihrer heiteren Seite beschäftigt. Herausgekommen ist ein berührendes Plädoyer für die Liebe, das in seiner abwechslungsreichen Art für Jeden die passenden Worte bereithält. Nicht nur von Schmetterlingen im Bauch ist zu lesen, auch von Zweifeln und Ängsten, von Leidenschaft, Sehnsucht und Vertrauen. Ein Buch, das vom ersten Verliebtsein ebenso erzählt wie von der tiefen Wärme einer lebenslangen Partnerschaft. Den Autoren flossen ausdrucksstarke Bilder aus der Feder, die zu Herzen gehen und in sich Leser sofort wieder finden.

Mitgewirkt haben Sandy Green mit ihren hessischen Mitautorinnen Connie Albers aus Kelkheim und Soraya Gold sowie dem Ravensburger Dichter Ottmar Meschenmoser, Barbara Poll aus Lübbecke und Jakob Kindler aus Rheinau in der Schweiz.

Sandy Green, deren Gedichte schon mehrfach prämiert wurden, hat bereits eine Anthologie herausgegeben sowie einen Gedichtband und einen Erzählband veröffentlicht. Sie ist Mitglied im Literarischen Zentrum Rhein-Neckar e.V. "Räuber 77" und hat ihre Texte bereits bei zahlreichen Lesungen vorgestellt.        z

 

Rezension der Literaturzeitschrift “sinn-bar” 16. Januar 2006

Buch: „Zeit – Zwischen Augenblick und Ewigkeit“


“How long a time lies in one little word”
(Shakespeare, Richard II., iii, 213)

und, Shakespeare weiter gedacht, wie viel Zeit erst liegt in den vielen Wörtern, die die Autorinnen und Autorinnen der gleichnamigen Anthologie für ihre Texte gebrauchten?

Nach „Terror“ und „Frieden“ haben wir nun wieder Gelegenheit, uns mit Herausgeber Marco Frohberger (und Mitherausgeber Dieter Hadjieff) auf Spurensuche zu begeben. 31 Autorinnen und Autoren versuchen, in Texten der unterschiedlichsten Genres, mit ihrem Gefühl und ihrem Verständnis von Zeit das große Geheimnis der Zeit „zwischen Augenblick und Ewigkeit“ zu lüften.


Wir finden viele Texte, die sich mit „Zeitverlust“ beschäftigen, einem Thema, das uns anscheinend alle immer sehr bewegt – und beängstigt. Was passiert mit uns, wenn wir uns plötzlich mit dem „Ende unserer Zeit“ konfrontiert sehen, wenn wir Abschied nehmen müssen (in der Realität durch unheilbare Krankheit, durch das „Sterben“ von Beziehungen, in der Erkenntnis, dass wir entweder die uns zur Verfügung stehende Zeit nicht oder „falsch“ genutzt oder schlicht nicht genügend gelebt haben, wenn wir erkennen, dass wir Zeit „verschwendet“ haben, indem wir falsche Prioritäten gesetzt haben; aber auch in (Alb-)Träumen, in denen wir aber beim und durch das Aufwachen nur zu den gleichen erschreckenden Erkenntnissen kommen)?

Was bleibt, am Ende, ist der Grundtenor fast aller Texte: das Gefühl, dass Zeit ein kostbares Gut ist, ein Geschenk, ein Heiligtum beinahe, das es zu bewahren und zu beschützen gilt, da am Ende eigentlich immer zwei Dinge stehen: das Altern und der Tod, auch der selbst gewählte. Die jedoch scheinen zeitlos, und in den seltensten Fällen „überwindbar“. Und auch das scheint uns Angst zu machen. So bleibt zum Schluss auch das unterschwellige, mulmige und manchmal etwas schale Gefühl, nämlich dass wir die Zeit für uns zu nutzen müssen, für uns zu leben, lebbar zu machen, da wir mit der uns geschenkten Zeit eine große Verantwortung tragen: diese mit Inhalt zu füllen, mit Leben.
Lassen sich einmal gemachte Fehler in unserer Zeit wieder gut machen? Können wir bestimmte Dinge, Ereignisse, wiederholen oder gar besser machen? Bekommen wir die Chance auf Neuanfang nach Erkenntnis? Ist Tod tatsächlich „das“ Ende? Gibt es nicht doch Zeitsprünge, Zeitverschiebungen?
All diese Fragen und noch viele mehr tauchen in den Texten von „Zeit“ auf. Die Geschichten sind anrührend, traurig, fröhlich, manchmal spannend, manchmal rührselig, manchmal banal und pragmatisch - genauso wie wir selbst, wenn wir in den Spiegel unserer eigenen Zeit blicken.
Nehmen Sie sich die Zeit, dies Buch zu lesen. Versuchen Sie, dem Wesen Ihrer Zeit auf den Grund zu gehen. Sie werden es nicht bereuen. Und Sie werden es nicht als vertane Zeit empfinden, Sie werden schmunzeln und die Stirn runzeln, einen manchmal verträumten und manchmal entrüsteten Gesichtsausdruck bekommen, manchmal den Kopf schütteln und manchmal schelmisch blinzeln. Und vielleicht werden Sie am Ende des Buches wie Michael Ende feststellen „Es gibt ein großes und doch ganz alltägliches Geheimnis. Alle Menschen haben daran teil, aber die wenigsten denken je darüber nach. Die meisten Leute nehmen es einfach so hin und wundern sich kein bisschen darüber. Dieses Geheimnis ist die Zeit…“

Oder etwa nicht?

Marco Frohberger, Dieter Hadjieff (Hrsg.): „Zeit – Zwischen Augenblick und Ewigkeit“, Web-Site-Verlag 2005, ISBN 3-935982-41-0, 12,-€
 

Heike Hartmann-Heesch

 

 

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